Aus der Rede von Günter Minas
Ausstellungs-Eröffnung von Silvia Wilkens und Rüdiger Krenkel, Sparkassenakademie Schloss Waldthausen am 06.03.02:


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Rüdiger Krenkel, dessen Werktitel immer zwischen prosaischer Formbenennung und versponnenen Assoziationen hin- und herschwingen und auch aberwitzige Wortspiele hervorbringen, hat 1998 vor Zuschauern eine „Weinbergdrahttraube“ gewickelt. Anlässlich des sog. „Bad Dürkheimprojekts“ hat er an zwei Tagen mit einer Wickelmaschine unzählige Reste abgetakelten, rostigen Weinbergdrahts auf ein Rohr gewickelt, wie bei einer monumentalen Garnspule, so dass sich allmählich die Form einer Traube, zumindest einer Frucht, ergab.

Obwohl die Arbeit nicht hier, verdeutlicht die Geschichte doch einige Dimensionen in der Arbeitsweise des Künstlers. Erstens steht - in diesem Fall sogar öffentlich - der Arbeitsprozess selbst im Mittelpunkt des Interesses. Der Entstehungsprozess ist ihm fast wichtiger als das Ergebnis. Seine Skulpturen und Plastiken sieht er als Ausdruck der eigenen Freude an der Bearbeitungsbewegung und am damit sich einstellenden Körpergefühl.

Und sie lassen all die handwerkliche Bearbeitung, den Körpereinsatz spüren, sei es der mit Kraft gebogene Rundstahl, seien es die vom Spitzmeißel im Granit hinterlassenen Furchen und Kerben, seien es die mit dem Beil aus dem Holz geholten Rundformen.

Zweitens ist dieser Arbeitsprozess sozusagen ein menschlich bewirkter Parallelvorgang zum organischen Wachsen, das man bei den Früchten mitdenkt und das man etwa in den hölzernen Fruchtsäulen oder der „Drei-Wellen“ genannten Stele besonders deutlich erleben kann. Durch die seitliche Herausarbeitung von Wellen aus dem Stamm bilden bei dieser Arbeit, die Jahresringe zudem senkrechte konzentrische Muster, so dass auch das Wachsen der Natur noch einmal abgebildet wird.

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